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Vorher-Nachher auf einen Blick: Sanierung mit Hindernissen

Auf was nicht alles zu achten war! Als Florian und Stephanie Engels von Hochberg ihr neu erworbenes Barockhaus in Potsdam sanierten, mussten sie etliche Auflagen vom Denkmalamt einhalten. Leider konnte dadurch auch so mancher Wunsch nicht realisiert werden. Dies schreckte sie jedoch nicht ab, sie suchten und fanden immer wieder neue, individuelle Lösungen für die Probleme. Der Lohn: Heute wohnen sie in einem nach ihren Wünschen gestalteten Baudenkmal.

Vorher: Wiederaufbau alter Substanz

Schön war das Barockhaus beim Kauf wahrlich nicht mehr. Das Dach zeigte sich marode, die Fenster verzogen, und auch die Fassade hatte jegliche Pracht verloren.

Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut und zur DDR-Zeit teilweise von acht Familien bewohnt, war auch innen viel zu machen. Etliche Vormieter hatten neue Zwischenwände eingezogen und Spanplatten gesetzt. Diese Einbauten mussten, wie auch die vorhandenen Sammeltoiletten, nun wieder entfernt werden.

Nicht nur die Einbauten machten eine Sanierung notwendig, ebenso war auch die Substanz an sich betroffen. Viele der vorhandenen Balken waren über die Jahrhunderte morsch geworden, ebenfalls fand sich mehrfach loses Mauerwerk.

Nachher: Fast ein Neubau

Bevor das barocke Bürgerhaus wieder in neuem Glanz erstrahlen konnte, mussten die Bauherren das Haus teilweise bis auf die Balken freilegen. Erst danach konnte das Haus mit seinem Fachwerk wieder behutsam aufgebaut werden.
Fenster wurden nach altem Maß wieder neu gefertigt, Fensterläden rekonstruiert, die Anordnung der Gauben wieder hergestellt, und auch das Dach wurde mit alten Biberschwänzen aus einem brandenburgischen Abrisshaus neu eingedeckt.
Ebenso wurden die breiten, alten Holzdielen wieder aufgearbeitet und manche Wand von 300 Jahre alten Farbschichten befreit, bevor sie neu gestrichen wurde. Einen neuen Anstrich erhielt auch die alte Holztreppe. Für das verwendete Schwedenrot mussten sich die Bauherren jedoch eine Extraerlaubnis vom Denkmalamt einholen.

Altes mit Neuem erhalten

Damit im Wohnzimmer wieder ein Kaminfeuer brennen kann, hat man beim Renovieren einen alten Kaminzug geöffnet. Als Brandschutz auf dem Boden ist die Fläche um die offene Feuerstelle mit dicken Glasscheiben bedeckt, mit diesem Trick blieb die schöne Fläche der alten Dielen sichtbar.

Alte Farbschichten freigelegt

Was auf dem ersten Blick wie Schwammtechnik aussieht, sind in Wahrheit dreihundert Jahre alte Farbschichten. Bei der Renovierung sollte die Wand eigentlich vom Auftrag komplett befreit werden. Der Zwischenstand hat den Bauherren jedoch optisch so gut gefallen, dass es letzten Endes auch dabei blieb.

Erhaltene Raumaufteilung

Der barocke Grundriss teilte die Etage in mehrere, jeweils nicht sehr große Räume. Deshalb entschieden sich Stephanie und Florian Engels für eine sparsame Möblierung. Dabei wurde beim Einrichten bewusst die Waagerechte betont und das Wandregal nicht mit Büchern überfüllt, um den Raum großzügig wirken zu lassen.

Funktionaler Kochbereich

Sachlich, funktional und klar sind die Kücheneinbauten gestaltet. Damit bilden sie einen schönen Kontrast zu den schiefen Böden und all den Spuren auf Dielen, Balken und Gemäuern. Wie schon im Wohnzimmer bringt auch hier die waagerechte Linie des Regals zusätzliche optische Größe in den Raum.

Mehr Stauraum

Was einst Schächte eines barocken Heizsystems waren, sind heute nur noch einfache Aussparungen in der Wand. Die Bauherrin sah in ihnen jedoch Nutzpotenzial: Mit einfachen Brettern machte sie aus ihnen Regale.

Anstrich in alter Technik

Die gemütliche Ecke mit Korbsessel ist Teil der alten Herdstelle in der Küche. Beachtenswert ist der originalgetreu rekonstruierte Farbanstrich der Wand – mit hohem Sockel und feiner Trennungslinie zwischen den Farbflächen.

Kompromisse bei der Sanierung

Auch wenn es viele Einschränkungen gab, manches erlaubte das Denkmalamt trotzdem. Zugunsten einer größeren Küche durfte eine Wand entfernt werden, mit der Auflage, die Pfeiler zu erhalten. Das Balkengerüst trennt heute den Ess- vom Kochbereich. Gleichzeitig ist es auch ein schönes rustikales Detail.

Helles Spielzimmer

Auf der von der Straße abgewandten Seite durften sogar Dachflächenfenster eingebaut werden. Somit fällt heute viel Licht durch das gläserne Karree in das Kinderzimmer. Ein alter Schrank – ein Familienerbstück – dient als stilvoller Aufbewahrungsort für Spielzeug.

Sonnenplatz mit Fachwerk

Eigentlich war eine Terrasse auf dem Dach des Nebengebäudes geplant. Sie hätte einen herrlichen Platz zum Sonnen abgegeben. Leider untersagte dies jedoch das Denkmalamt. So wurde der Sonnenplatz kurzerhand in den Hof verlegt. Die freiliegende Fachwerkwand direkt daneben vermittelt dabei einen bäuerlichen Charme.

Alte Ziegel für den Boden

Der Hof mit dem barocken Hinterhaus ist neben dem Sonnenplatz der Eltern vor allem der Spielbereich für die Kinder. Die alten Ziegel, die hier den Boden bilden, sind beim Umbau aufgearbeitet und dann wieder sauber verlegt worden.

Bauherren: Umbau trotz Denkmalschutz

Regelrechte Sanierungspartys haben die Bauherren Stephanie und Florian Engels beim Entkernen des Hauses veranstaltet. In der ersten Phase kamen an den Wochenenden Familie und Freunde vorbei, um gemeinsam das Haus von Unrat der Jahre zu befreien. Als Dankeschön gab es dann Pizza und Wein im Hof.

Der wirklich schwierige Teil begann erst später, als mit dem Denkmalamt um jede Veränderung gerungen werden musste. So mussten immer wieder Wünsche abgeglichen, Kompromisse diskutiert und Lösungen gefunden werden. Letzten Endes haben jedoch beide Parteien davon profitiert. Die Stadt Potsdam hat ein barockes Schmuckstück bekommen, und die Familie Engels einen geschichtsträchtigen Wohnsitz.