• CROSSMEDIA
    WERBEPARTNER
  • CROSSMEDIA
    WERBEPARTNER

Den Immobilienwert ermitteln

Was ein Haus oder eine Wohnung wert ist, darüber kann man sich streiten. Objektiv beurteilen können das nur Sachverständige - doch hier gibt es eklatante Unterschiede.
shutterstock_goodluz2

Spätestens wenn Sie Ihre Immobilie gefunden haben, werden Sie sich fragen, ob die geforderte Summe auch realistisch ist. Vielleicht denken Sie: Dann hole ich mir doch einfach einen Sachverständigen! Doch wer ist das, wo finde ich diesen, und was kostet mich das? Grundsätzlich ist die Bezeichnung "Sachverständiger" in Deutschland nicht geschützt, und eindeutige Regelungen fehlen.

Die Sachverständigen und Qualifikationen im Überblick:

Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige

Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige (öbuv) müssen durch eine öffentlich-rechtliche Institution bestellt und vereidigt werden. Dies kann die Industrie- und Handelskammer, eine Handwerkskammer oder die Architekten- oder Ingenieurkammer eines Landes sein. Bewerber müssen dabei die persönliche und fachliche Eignung prüfen lassen. öbuv-Sachverständige werden in der Regel für fünf Jahre bestellt. Die Pflichten sind Objektivität, Unabhängigkeit, Gewissenhaftigkeit, Unparteilichkeit und Weisungsfreiheit. Deshalb sollen nach den Prozessordnungen der verschiedenen Gerichtszweige öffentlich bestellte Sachverständige bevorzugt herangezogen werden.

EU-zertifizierte Sachverständige

Im europäischen Raum gab es bisher keine länderübergreifende Qualifikation für Sachverständige. Das war der Ansatz für die EU, ein EU-einheitliches Zertifizierungssystem auf den Weg zu bringen. Zertifizierte Sachverständige weisen regelmäßig ihre persönliche Eignung und ihre hohe fachliche Qualifikation sowie langjährige Berufserfahrung gegenüber einer akkreditierten Zertifizierungsstelle nach. Um die hohe Qualität zu garantieren, ist der Gültigkeitszeitraum des Zertifikats auf fünf Jahre begrenzt. Danach muss der zertifizierte Sachverständige seinen Wissensstand erneut durch eine Prüfung unter Beweis stellen. Die Einhaltung der Europäischen Norm ist zum Teil weitreichender als die öffentliche Bestellung und Vereidigung.

Chartered Surveyors

Das Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) ist ein 1868 gegründeter britischer Berufsverband von Immobilienfachleuten und -sachverständigen. Heute ist er in ca. 150 Ländern mit über 120.000 Mitgliedern tätig. Von den rund 2.500 Mitgliedern des RICS Deutschland haben sich bislang 1.000 zum Chartered Surveyor qualifiziert. Kennzeichnend für den RICS sind die hohen fachlichen Anforderungen und der starke Praxisbezug.

Freie Sachverständige

Zu den freien Sachverständigen zählen die selbständig tätigen Sachverständigen, welche keine amtliche Anerkennung oder öffentliche Bestellung besitzen. Sie unterliegen keinem gesetzlich geregelten Pflichtenkatalog mit behördlicher Überwachung. Besondere Sachkunde und persönliche Voraussetzungen werden nicht behördlich überprüft.
Der freie Sachverständige sollte aber eine entsprechende Ausbildung haben. Langjährige berufspraktische Erfahrung und die Kenntnis des jeweils Stands der Wissenschaft und der dazugehörigen Regeln sind notwendig.

Behörden als Sachverständige

Für den Grundstücksbereich ist hier der Gutachterausschuss zu nennen. Unabhängige Gutachterausschüsse gibt es in allen kreisfreien Städten und Landkreisen. Notare und Gerichte sind verpflichtet, dem Gutachterausschuss alle Kauf- und Erbbaurechtsurkunden über Immobilien und Beschlüsse über Zwangsversteigerungen zu übermitteln. Alle Urkunden werden erfasst und gehen in die Kaufpreissammlung ein.

Sachverständige der Verbände

Die verschiedenen Verbände benennen Sachverständige für die einzelne Bereiche nach ihren Anforderungen. Ein allgemeingültiges System der Voraussetzungen zur Benennung von Wertgutachtern gibt es hier nicht. Achten Sie beim Sachverständigen darauf, um welche Art es sich handelt, das heißt, welche Ausbildung hat er, welche Erfahrung bringt er mit, wie lange ist er auf dem Markt tätig? Schauen Sie grundsätzlich zuerst auf die Qualität und erst dann auf den Preis – ein Vollgutachten erfordert großes Know-how.

Das kostet ein Wertgutachten

shutterstock_gualtiero-boff

Die Kosten für ein Gutachten sind gesetzlich nicht geregelt. Das Sachverständigenhonorar und die Kosten für ein Wertgutachten werden somit individuell vereinbart. Dennoch richten sich noch viele Gutachter nach der alten Verordnung über die Honorare für Architekten und Ingenieure (HOAI), die je nach Kaufpreis und Schwierigkeitsgrad des Aufwands rund 2 bis 10 Prozent vom Wert des Hauses als Honorar veranschlagt.

Bei einer individuellen Absprache über das zu erstellende Gutachten sollte genau festgelegt werden, was dieses beinhalten soll und ob besondere Aspekte berücksichtigt werden müssen. Ein Vollgutachten ist naturgemäß teurer als eine reine Wertermittlung. Beispiele für eine freie Preisvereinbarung können die Abrechnung nach Stundensatz, ein Mindesthonorar oder auch eine Provisionsvereinbarung sein. Bei der Auswahl eines Gutachters sollte mehr als ein Angebot eingeholt werden. Diese müssen miteinander hinsichtlich des Leistungsumfangs unbedingt vergleichbar sein.