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Stadt oder Land?

Ein bisschen Stadt- und Landmensch steckt in jedem von uns. Unsere Lebenslage entscheidet, welche Seite dominiert. Wenigstens für eine gewisse Zeit. Denn nichts ist für immer - selbst Immobilien nicht.
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Wie das Leben oft so spielt: Eben noch Großstadtmensch, der die vorhandene Infrastruktur, Kulturangebote und Freizeitmöglichkeiten genießt, dann Umzug aufs Land wegen der Liebe, Beruf oder Kinder. Oft überwiegen dann sogar die Vorzüge des Landlebens gegenüber dem früheren Stadttrubel – und die Infrastruktur ist auch besser als zumeist erwartet. Die Idee eines Hauskaufs liegt da nicht fern. Doch ob man wirklich für immer bleiben will und kann, wird dabei oft nicht bedacht.

Immobilienkauf gut überlegen

Es ist jedoch wichtig, einen Hauskauf gut zu überlegen, davon ist auch Christian Wittke überzeugt. "Es geht nicht nur um die Gartenarbeit, die irgendwann nicht mehr zu bewältigen ist", so der Immobilienexperte der Berenberg Bank. "Wer ein Haus kauft, tut das immer noch für die Ewigkeit." Also für die Kinder und Kindeskinder. Doch in der globalisierten Welt funktioniert dieses Modell nur noch selten. Dann aber für die Altersvorsorge. Entweder mietfrei wohnen oder verkaufen und wieder in die Stadt ziehen. Klappt nur bedingt. "Niemand kann sagen, was ein Haus auf dem Land in 25 Jahren noch wert ist", sagt Wittke, der als Sachverständiger Immobilien bewertet. "Da kann es knapp werden, wenn man mit dem Geld für die Altersvorsorge rechnet." Also, erst gar nichts kaufen? "Keineswegs", so Wittke. "Aber im Vorfeld nicht nur an die Bullerbü-Idylle denken, sondern rechnen und abwägen."

Haus und Wohnung: teuer in der Stadt, billiger auf dem Land

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Grundsätzlich sind Immobilien auf dem Land viel billiger als vergleichbare Objekte in der Stadt. Das spricht für das Dorf. Je schwächer die Region, desto günstiger. Etwa in schrumpfenden Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern oder dem Ruhrgebiet. Aber: Je mehr Menschen abwandern, desto mehr Wohnraum steht leer. Die Preise sinken, irgendwann könnten die Immobilien dort nicht mehr viel wert sein. Beim Immobilienverband Deutschland (IVD) kalkuliert man für den Immobilienkauf zwei bis drei Jahreseinkommen auf dem Land oder in so genannten Abwanderungsregionen, vier bis sechs Jahreseinkommen in der Stadt. "Angesichts dieser Ausgangslage ist es sekundär, ob ich beim Verkauf meiner Immobilie Gewinn mache oder nicht", sagt Jürgen Michael Schick, Vize-Präsident des IVD-Bundesverbands. "Beim Erwerb ist die nichtvorhandene Wertsteigerung schon eingepreist."

In der Stadt und den Speckgürteln mit guter Verkehrsanbindung hingegen sind die Preise mindestens stabil. Der IVD weist in einer Studie nach: Mieten und Kaufpreise sind in den sieben größten Städten Deutschlands sogar schneller gestiegen als die Inflation. Mieter stöhnen, weil das Wohnen in der Stadt enorm teuer geworden ist. Immobilienbesitzer freuen sich: Ihr Besitz ist immer mehr wert. "Dieser Inflationsschutz funktioniert aber nur, wenn sich Angebot und Nachfrage die Waage halten", so Schick. In Städten wie Berlin, Hamburg, München, Köln, Düsseldorf, Stuttgart und Frankfurt ist das so. Vor allem Altbauwohnungen (vor 1948) sind in den letzten 30 Jahren sehr viel teurer geworden. Mietzuwächse von 237 Prozent. Wer so eine Wohnung sein eigen nennt, ist fein raus. Auch künftig werden solche Objekte begehrt sein.

Wohnen: urban und schick oder naturnah und ruhig

Metropolen wachsen. Viele heruntergekommene Quartiere leben wieder auf – dank der jungen Leute, der Kreativen, die alte Lofts und Lagerhallen entdecken. Aber auch die Älteren ziehen häufig zurück. In Aachen ist der Anteil der Senioren unter den Stadtrückkehrern der größte. Neben dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt gibt es eine funktionierende Infrastruktur, Kindergärten, Schulen, Spielplätze – meist alles im eigenen Viertel vorhanden. Kurze Wege, kein zweites Auto notwendig. Niemand muss den Nachwuchs, wenn er klein ist, den halben Tag zum Tennisspielen oder Musikunterricht durch die Gegend fahren. Schlecht gelaunte Teenager gondeln allein per U-Bahn zur besten Freundin im anderen Stadtteil. Das spart Zeit, Nerven und Kosten. Viele Kulturangebote, schicke Einkaufsboulevards und ausreichende ärztliche Versorgung – letztere vor allem für ältere Bewohner wichtig. Ebenso wie innerstädtische Seniorenheime oder der Lieferservice für das Mittagessen. Auf dem Land gibt es das nicht flächendeckend. Alles in allem: ein dicker Pluspunkt für das Leben in der Stadt.

Stadtmensch oder Landei? Eigentlich beides

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Nachteil der Stadt: Man nimmt hier mehr Lärm, Enge, Schmutz und ständigen Trubel in Kauf. "Subjektiv hat man den Eindruck, auf dem Land gesünder zu leben", sagt Immobilienfachmann Wittke. Jedenfalls sind die Menschen hier oft zufriedener. Das fand das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR, 2011) heraus. "Geschätzt werden die Naturnähe, aktives soziales Miteinander und die Sicherheit, die der übersichtliche Lebensraum mit sich bringt", sagt Gabriele Sturm vom BBSR. Was fehlt? Ausbildungsplätze, Freizeitaktivitäten für Jugendliche, Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten vor Ort.

Dafür können sich hier sehr viel mehr Menschen den Traum vom eigenen Heim verwirklichen. Denn auf dem Land setzt man auf Eigentum. Mehr als drei Viertel des Wohnungsbestands sind in privater Hand. Zusammen mit den selbst genutzten Wohnungen und Häusern gerechnet, sind 80 Prozent aller Immobilien im ländlichen Raum in Familienbesitz. In der Stadt wohnt man viel häufiger zur Miete. Auch nicht verkehrt. Spätestens, wenn die Kinder erwachsen sind und eigene Wege gehen, eine überlegenswerte Alternative. "Man lebt ja in Wellenbewegungen", sagt die Soziologin Sturm. "Häufig will man das, was man noch nicht hatte. Hat man das dann ausprobiert, möchte man wieder das Altbekannte."

Wo wollen wir leben? "Immer eine Abwägung aus Emotionen und hoffentlich ganz viel Rationalität", so Sturm. "Sonst klappt es nirgends." Ein bisschen Land und Stadt steckt ohnehin in jedem von uns. Schließlich nutzt ein Viertel der Stadtmenschen die Angebote der Stadt nicht, umgekehrt fährt ein Viertel der Landbevölkerung regelmäßig in die Stadt, um Theater, Konzerte oder Ausstellungen zu besuchen.

Mehr zum Thema Stadt oder Land im Internet:


  • www.stadtwohnen.de: das ARD-Ratgeber-Magazin "Plusminus" verglich die Kosten vom Leben in der Stadt und auf dem Land