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HÄUSER-AWARD 2012: Kostengünstige Häuser

Gute Architektur braucht eine intelligente Planung, aber kein großes Budget. Die Preisträger des HÄUSER-AWARDS 2012 zeigen, was für Baukosten unter 1.500 Euro pro Quadratmeter möglich ist.
In diesem Artikel
1. Preis: Doppelhaus aus Beton in Spanien
2. Preis: Townhaus in Holzrahmenbauweise
3. Preis: Günstiges Ferienhaus am Hang
Zusatzpreis: Kleines Atelierhaus auf Restgrundstück
Weitere Finalisten
Das Buch zum HÄUSER-AWARD 2012

1. Preis: Doppelhaus aus Beton in Spanien

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Das Gewinnerhaus des HÄUSER-AWARDS 2012 ist das Doppelhaus des spanischen Architekten Iñaqui Carnicero in der Nähe von Madrid. Mit einer Sichtbeton-Haut und großem Raumangebot hat es die Anmutung einer modernen Villa. Schon auf den ersten Blick fällt die enorme Breite des Zweigeschossers auf.

Ungenauigkeiten bei der Schalung und die Dominanz günstiger Materialien wie die einfache Verglasung, unbehandelte Wand- und Deckenoberflächen und der weiche Kalksteinfußboden deuten jedoch beim näheren Blick auf ein nicht ganz so hohes Budget für den Hausbau hin.

Viel Raum mit geringen Kosten

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Weiteres Sparpotenzial nutzte der Spanier, indem er die Betonwände nicht dämmte, dafür aber verstärkte und voll auf die passive Nutzung der Sonne über Iberien vertraut. Selbst im Winter ist es im Inneren trotz lauer Fußbodenheizung warm. Im Sommer schützen tiefe Dachüberstände vor einer Überhitzung der Räume.

Auch die Anlage des Baus als Doppelhaus senkte die Kosten. Bei Bedarf lassen sich die Hälften mit je 190 Quadratmeter Wohnfläche zur Villa mit doppelter Fläche zusammenschalten. Nicht gespart hat Iñaqui Carnicero hingegen am Raum. Weil sich das Haus über dem Wohnbereich bis auf fünf Meter lichte Höhe streckt, wird Großzügigkeit zum Hauptmerkmal dieser Architektur.

Die provozierend niedrigen Baukosten von kaum mehr als 1.100 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche erklären sich nicht allein durch die generell niedrigeren Herstellungskosten in Spanien, sondern vor allem durch den Mut zur Beschränkung. Iñaqui Carnicero zeigt in Torrelodones, dass der Traum vom räumlichen Reichtum auch mit kleinem Budget wahr werden kann.

Baudaten

Architekt: IñaquiCarnicero, Avenidadel Rodeo 47, E-28250 Torrelodones/Madrid, Tel.+34-918429480, www.inaquicarnicero.com
Baubeginn: 2007
Fertigstellung: 2009
Wohnfläche: 375 m²,
Nutzfläche: 240 m² (u. a. Terrasse)
Grundstücksgröße: 1800 m²
Ort: Torrelodones, Spanien

Baukosten: 420.000 Euro. (Die Baukosten beziehen sich nur auf die Wohnfläche. Eine Anrechnung der Nutzfläche hätte die Vergleichbarkeit mit anderen Häusern erschwert)
Bauweise: Beton
Fassade: Sichtbeton
Dach: Flachdach
Raumhöhe: 2,20–5 m
Decken- und Wandoberfläche: Sichtbeton
Fußboden: Kalkstein

Jahresheizwärmebedarf(Qh): 85 kWh/m² a
Jahresprimärenergiebedarf(Qp): 36 kWh/m² a

Grundriss-Download

Grundrisse, Ansichten und Schnitte vom Haus in Torrelodones als PDF-Dokument.Grundriss-Download

2. Preis: Townhaus in Holzrahmenbauweise

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Ein echter Blickfang ist das Haus von Leona Geitner am Stadtrand von Düsseldorf. Schmal und hoch und dunkel steht es da. Ihm fehlt alles Dekorative, der Baukörper ist streng reduziert, bloß schwarz verbretterte Wände und ein steiles Dach, mehr nicht.

Das Domizil, das die beiden Architekten Leona und Andreas Geitner für sich und ihre Kinder gebaut haben, ist dennoch alles andere als spleenig, es ist schlicht und schön. Auf der Gartenseite zeigt sich das Haus transparent, zur Straße hin geschlossen und streng geometrisch. Die Fenster sind bündig in die Fassade eingelassen, die Regenrinne verbirgt sich hinter einem Metallprofil. Ein neongelber Eingang bildet außerdem einen knalligen Kontrast zu dem mit schwarz lasierten Fichtenbrettern verkleideten Baukörper.

Entscheidend für das Budget von nur 1.170 Euro pro Quadratmeter jedoch war die Materialfrage: Über dem betonierten Kellergeschoss wurde das Haus komplett als Holzrahmenkonstruktion vorgefertigt und dann auf der Baustelle montiert. Stahlstützen geben zusätzliche Stabilität.

Großzügige Räume und vielfältige Nutzung

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Im Erdgeschoss befindet sich ein einziger, loftartiger Raum mit einem hellgrauen Zementspachtelboden. Er nimmt die komplette Grundfläche des Hauses ein. Eine Treppe untergliedert ihn in die offene Küche und den Ess- und Wohnbereich. Darüber, im ersten Stock, die Schlaf- und Kinderzimmer, dazwischen ein großzügiges Familienbad, und ganz oben, unter dem Dach, ist Platz für ein Büro, eine Bibliothek und ein Gästezimmer.

So ist ein Haus entstanden, zu dem einem nie das Wort sparsam einfiele. Es ist vielmehr eine Minimallösung: Minimal im Sinne von minimalistisch, nicht von billig.

Baudaten

Architektin: Leona Geitner, Drosselweg 6, 40489 Düsseldorf, Tel. 0203-98 40 87 90, www.geitner-architekten.de
Baubeginn: September 2009
Fertigstellung: Mai 2010
Wohnfläche: 218 m² , zusätzliche Nutzfläche: 112 m²
Grundstücksgröße: 521 m²
Ort: Düsseldorf

Baukosten: 386.000 Euro
Bauweise: Holzrahmenkonstruktion
Fassade: Fichtenbretter, schwarzlasiert
Raumhöhe: 2,48 m(EG), 2,41 m(OG), bis 3,94 m(DG)
Decken-und Wandoberfläche: Gipskarton, gestrichen
Fußboden: Zementspachtelboden (EG), Douglasien-Dielen(OG,DG)

Jahresheizwärmebedarf(Qh): 20,6 kWh/m²a
Jahres- primärenergiebedarf (Qp): 55,6 kWh/m²a
Spezifischer Transmissionswärmeverlust (ht-Wert): 0,37 W/m²K

Grundriss-Download

Grundrisse, Ansichten und Schnitte vom Haus Geitner als PDF-Dokument.Grundriss-Download

3. Preis: Günstiges Ferienhaus am Hang

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Der Ausblick auf die umliegende Bergwelt ist fantastisch. Das Pultdach-Ferienhaus der Familie Bosch – außen sägeraue Fichte, innen glatte Weißtanne – steht auf einem Grundstück in Vorarlberg, das schon dem Großvater gehörte. Der Stuttgarter Architekt Benedikt Bosch (31) hat im Auftrag seiner Eltern die frühere Hütte durch ein zeitgemäßes Domizil ersetzt. Die Baukosten: 1.120 Euro pro Quadratmeter.

Für Benedikt Bosch war der Neubau eine Einladung, mit klugen kleinen Lösungen teure größere zu vermeiden. "Es ist eine Qualität, sich gegen den Überfluss zu entscheiden", erklärt er. "Dieses Haus ist technikreduziert. Theoretisch würde es ganz ohne Technik funktionieren.

So benötigt es zum Beispiel keine Zentralheizung und wird fast allein von einem alten Kaminofen geheizt, den wir aus dem alten Bau übernahmen." Dazu wird die natürliche Sonneneinstrahlung genutzt; Kollektoren oder gar Photovoltaik hätten sich in diesem Fall zu spät amortisiert. Nur im Erdgeschoss gibt es noch, begrenzt auf Sauna und Bad, eine elektrische Fußbodenheizung gegen den Frost.

Durchdachte Architektur spart Kosten

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"Ich habe das Haus so einfach geplant, dass die Kosten schon von den Quadratmetern her im Rahmen blieben", sagt Benedikt Bosch. Viel Raum neben dem Bett? Unnötig. Man will dort ja nur lesen oder schlafen. Lichte Raumhöhe? Im Gemeinschaftsraum gern. Aber in den Schlafkammern sind 2,20 Meter viel intimer und anheimelnder.

"Es ist überhaupt kein Problem, auf manches zu verzichten", sagt Hubert Bosch. Während er durch die raumhohen Fenster nach draußen blickt, schwärmt er noch: "Ich könnte hier eine Woche sitzen und einfach nur rausschauen, so wohl fühle ich mich."

Baudaten

Architekt: Yonder - Architektur und Design Benedikt Bosch, Falbenhennenstraße 15, 70180 Stuttgart,
Tel. 0711-64561577, E-Mail: mail@studioyonder.de, www.studioyonder.de
Baubeginn: Juni 2007
Fertigstellung: August 2010
Wohnfläche: 115 m²
Zusätzliche Nutzfläche: 15 m²
Grundstücksgröße: 580 m²
Ort: Vorarlberg / Österreich

Baukosten: 146.000 Euro
Bauweise: Holzrahmenkonstruktion auf Stahlbetonuntergeschoss
Fassade: Fichtenbretter, sägerau
Dach: Pultdach, Edelstahl
Raumhöhe: 2,20–5,00 m
Decken- und Wandoberfläche: Brettschichtholdecke; Weißtannenvertäfelung
Fußboden: Weißtannendielen, Schieferplatten

Grundriss-Download

Grundrisse, Ansichten und Schnitte vom Haus Bosch als PDF-Dokument.Grundriss-Download

Zusatzpreis: Kleines Atelierhaus auf Restgrundstück

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Den Zusatzpreis beim HÄUSER-AWARD 2012 erhielt Architekt Wolfgang Fischer. Auf einem neun Meter breiten Grundstücksstreifen in Würzburg baute er ein komfortables Wohn- und Atelierhaus. Mit 108.000 Euro an Baukosten ist es eines der preiswertes Häuser des Wettbewerbs. Der Quadratmeterpreis liegt bei 1.069 Euro.

Fischers neue Dependance ist groß genug, um darin sowohl sein Büro als auch Gäste unterzubringen – aber doch so klein, dass die Eheleute sie eines Tages gut als Zweipersonenhaus nutzen oder extern vermieten können. Dass der Architekt aus Budgetgründen eine einfache kubische Gebäudeform und eine Holzkonstruktion wählte, bot neben der kurzen Bauzeit einen weiteren Vorteil: "Die Außenschalung konnten wir selbst montieren", erzählt er. Seinen Sinn fürs Ökonomische beweist auch der straff organisierte Grundriss.

Reduktion aufs Wesentliche senkte Baukosten

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Der Verzicht auf jeglichen Ausbau-Luxus machte sich nicht nur auf der Kostenseite angenehm bemerkbar, sondern verleiht den Räumen auch optisch mehr Ruhe und Großzügigkeit. "Wir haben uns immer wieder gefragt: Was brauchen wir wirklich, was können wir weglassen?", erklärt Fischer. Decken und Wände sind weiß getüncht, der Bodenbelag aus geöltem Eichenholz bewährt sich sogar im Bad.

Auch auf aufwendige Haustechnik wurde bewusst verzichtet. Die kompakte, hochwärmegedämmte Gebäudehülle mit Dreifachverglasungen sorgt ohnehin für gute Energiewerte, ein Kaminofen dient an kühlen Tagen als Zusatzheizung. Trotz des knappen Budgets ist hier auf kleiner Fläche ein ebenso unverwechselbares wie gestalterisch anspruchsvolles Haus entstanden.

Baudaten

Architekt: Atelier Fischer, Prof. Wolfgang Fischer, Kürnachtalstraße 6b, 97076 Würzburg, Tel. 0931-90 75 79 71, www.atelier-fischer.com
Baubeginn: 2010
Fertigstellung: 2010 Wohnfläche: 101 m², inklusive Dachterrasse (hier zur
Hälfte angerechnet)
Grundstücksgröße: 288 m²
Ort: Würzburg

Baukosten: 108.000 Euro (ohne Eigenleistungen)
Bauweise: Holzrahmenbau
Fassade: Douglasienverkleidung
Dach: Flachdach Raumhöhe: 2,42–2,80 m
Decken- und Wandoberfläche: Gipskarton, gestrichen
Fußboden: Eichendielen
Jahresheizwärmebedarf (Qh): 72 kWh/m²a
Jahresprimärenergiebedarf (Qp): 85 kWh/m²a

Spezifischer Transmissionswärmeverlust (HT-Wert): 0,277 W/m²K

Grundriss-Download

Grundrisse, Ansichten und Schnitte vom Haus Fischer als PDF-Dokument.Grundriss-Download

Weitere Finalisten

Insgesamt befanden sich 20 Häuser in der Endauswahl des HÄUSER-AWARDS 2012. Lernen Sie alle Finalisten in einer Kurzansicht kennen:

Der Gewinner der Online-Wahl

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Sie hatten die Wahl. Unter den 20 Finalisten wählten unsere Leser ihren Online-Favoriten anhand des eingereichten Wettbewerbsmaterial. Einen Monat konnten sie dazu ihren Tipp abgeben. Zum Schluss war das Wohnhaus in Caputh vom Architekten Thomas Beyer mit 16 Prozent der abgegebenen Stimmen der deutliche Gewinner.

Bei der Abstimmung zum Leserpreis gewann Frau Saartje Hahn aus Ingelheim den Hauptpreis: eine Tivoli-Anlage. Herzlichen Glückwunsch!

Das Buch zum HÄUSER-AWARD 2012

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"Kostengünstige Einfamilienhäuser unter 1500/ m²" ist die ausführliche Dokumentation der 20 besten Wettbewerbshäuser auf 160 Seiten.

Preis: 49,99 Euro.
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